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Hochgeladen am 04.11.2006 von Thomas Schlichthärle
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Grüne Gentechnik
1. Gentechnik im Allgemeinen
1.1 Definition von Gentechnik/Gentechnologie
Jedes Lebewesen enthält Gene, so genannte Erbinformationen, welche im Verlaufe des Lebens, Aussehen, und teilweise Verhalten steuern. Die kompletten Gene sind in jeder Zelle enthalten. Der Mensch besitzt ca. 100.000 Gene, eine Pflanze circa 25.000 und ein einfacher Mikroorganismus, wie zum Beispiel Bakterien, immer noch 3.000.
Unter Gentechnik oder auch Gentechnologie versteht man einen gezielten Eingriff in dieses Erbgut oder in biochemische Vorgänge von Lebewesen aller Art, seien es Pflanzen oder Tiere. Gentechnik bezeichnet auch die Analyse 1oder gezielte Veränderung von DNA Sequenzen.
Bei der Gentechnik können 3 Teilgebiete unterschieden werden. Es gibt die gelbe, bzw. rote Gentechnik, diese findet in der Medizin ihre Anwendung in erster Linie um neue diagnostische und therapeutische Verfahren zu entwickeln, oder auch zur Herstellung von neuen Medikamenten. Des Weiteren gibt es die graue, oder auch weiße Gentechnik, diese findet ihre Anwendung in der Industrie zur Herstellung von Mikroorganismen, Enzymen oder auch Chemikalien aller Art, welche schließlich benutzt werden um die Produktqualität zu steigern.
Die wesentliche Art, von der diese Ausarbeitung handelt, ist die grüne Gentechnik. Sie wird in erster Linie in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich eingesetzt und beschäftigt sich mit der Züchtung neuer Pflanzenarten, welche zum Beispiel besonders resistent gegen Schädlingsbefall sind.
Die Gentechnik allgemein befasst sich mit der Isolierung von Genen und der Herstellung neu zusammengesetzter DNA zur Verbesserung von Produkten. Dies geschieht auch über die natürlichen Grenzen der Arten hinweg.
1.2 Die Geschichte der Gentechnik
Die Gentechnik, ist eine recht junge Wissenschaft. Ihre Wurzeln finden sich Mitte der 40iger Jahre. Folgende Auflistung von Meilensteinen sollen nun diese Geschichte etwas erläutern.
1944: Der Amerikaner Oswald Avery veröffentlicht die Ergebnisse einer Studie. Er entdeckt die DNA. (Desoxyribonukleinsäure)
1953: James Watson (Amerikaner) und Francis Crick (Brite) erläutern die Struktur der DNA. Der Begriff der Doppelhelix entsteht(zwei Fäden, die ineinander verschraubt sind und eine Art Strickleiter bilden)
1973: Stanley Cohen und Herbert Boyer(Amerikaner) schleusen artfremdes Erbgut in einen anderen Organismus ein. Sie schleusen Gene aus Fröschen und Säugetieren in die Mikroorganismen der Darmbakterien ein. Dieser Zeitpunkt wird offiziell als Geburtsstunde der Gentechnik beschrieben.
1975: Asimolar-Konferenz in Kalifornien. Diskussion führender Wissenschaftler über die Chancen und Risiken der Gentechnik
1980: Am Max-Planck Institut3 für Züchtungsforschung in Köln wird mit Hilfe des Bakteriums Agrobacterium tumefaciens neue DNA in Pflanzenzellen eingeschleust. Die Grundlage zur „grünen“ Gentechnik ist gelegt
In den 80iger Jahren: erste Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen
1984: „Schiege“ wird geboren (Mischung aus Schaf und Ziege)
1988: Auf die „Krebsmaus“ wird ein Patent angemeldet. (erstes auf gentechnisch verändertes Lebewesen
1990: Erste Gentherapieversuche am Menschen
1994: Erstes gentechnisch verändertes Gemüse kommt auf den Markt, die „Anti-Matsch-Tomate“4 (USA, Großbritannien)
1996: EU erlaubt Import von gentechnisch veränderten Sojabohnen zur Weiterverarbeitung in der Lebens-und Futtermittelindustrie. Anti-Gentech- Kampagne von Greenpeace
Februar 1997: Klonschaf Dolly erblickt das Licht der Welt.
1997: „Novel Food“ – Verordnung. Gentechnisch veränderte Organismen müssen von nun an in der EU ein Zulassungsverfahren durchlaufen und gekennzeichnet werden.
Herbst 1998: Nestlé bringt den Schokoriegel „Butterfinger“, welcher Cornflakes enthält, die aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt wurden, auf den deutschen Markt.
Frühjahr 1999: Europäische Supermarktketten distanzieren sich von gentechnisch veränderten Zutaten in ihren Eigenmarken.
Juni 1999: EU-Länder sind gegen Zulassungen von gentechnisch veränderten Pflanzen.
Juli 1999: Nestlé nimmt „Butterfinger“ wiederum vom Markt.
2000: Zahlreiche Forschungsprojekte bei denen das Erbgut von Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen und das des Menschen entschlüsselt wird, sind im Gange.
2000: In Artikel 3 der UN-Menschenrechtscharta wird das reproduktive Klonen von Menschen verboten.
2000: Durch „Golden Rice“ ließe sich Vitamin A Mangel in 3. Welt Ländern vermeiden.
2001: Umfrage zeigt, dass EU Bürger skeptisch gegenüber genveränderten Lebensmittel sind. Gentech-Pflanzen werden weltweit bereits auf 50 Millionen Hektar angebaut.
2002: Gentechnisch geschützte Baumwolle wird in China eingesetzt und verringert laut „Science“ Studie den Einsatz an gesundheitsschädlichen Pestiziden und führt zu Einsparungen.
2. Was ist Grüne Gentechnik?
Grüne Gentechnik beschäftigt sich vor allem mit der Züchtung neuer
Pflanzenarten. Früher wurden Pflanzen auf folgende Art und Weise gezüchtet:
Artverwandte Pflanzen wurden auf ihre Eigenschaften untersucht und wenn
positive Eigenschaften erkannt wurden, miteinander gekreuzt. Mütterliche und
väterliche Eigenschaften verteilten sich jedoch zufällig auf die Nachkommen. In
den darauf folgenden Ernten wurde schließlich die neue Pflanze selektiert und
später wieder ausgesät. Solche Züchtungs-und Kreuzungsverfahren dauerten
meist mehrere Jahre, durch die Gentechnik können nun einzelne Gene gezielt
übertragen werden, auch über die Grenzen der Arten hinweg.
Ziele der grünen Gentechnik sind:
Steigerung der Herbizid Toleranz, Insektenresistenz, Virusresistenz,
Produktqualität, Nährwertsteigerung und männliche Sterilität.
2.1 Methodik zur Übertragung von Genen in Pflanzen
Unter diesem Unterpunkt soll nun die zentrale Frage zur Übertragung fremder
Gene in neue Zellen kurz erklärt werden. In der Regel gibt es drei
unterschiedliche Arten um dies zu bewerkstelligen. Zur Standardlösung ist
mittlerweile geworden, dass man ein spezielles Bakterium, genannt
„Agrobacterium“ mit dem neuen Gen ausrüstet und schließlich die Pflanze
damit infiziert.
Als zweites Verfahren gibt es die so genannte „Genkanone“. An mikroskopisch
kleine Goldkügelchen wird das neue Gen geheftet und diese Kügelchen werden
dann direkt in die Pflanzenzellen geschossen.
Bei der 3. Variante werden zuerst die dicken Zellwände abgebaut, die vor einer
Übertragung fremder Gene schützen. Nun gibt man das neue Gen mit einer
Flüssigkeit hinzu, sodass es meist von der Zelle aufgenommen wird.
Schließlich entwickeln sich die Zellen durch permanente Zellteilungen zu Zellhaufen und später dann sogar zu kompletten Pflanzen. Da die neuen Zellen mit den neuen Genen selektiert werden müssen, hat sich die Wissenschaft etwas einfallen lassen müssen, da nicht jede Zelle die Gene aufnimmt. Sie infizierten die Zellen zusätzlich mit antibiotikaresistenten Genen, um zu den Zellhaufen Antibiotika hinzuzugeben, sodass nur die neuen Zellen mit den gewünschten Eigenschaften/Genen (antibiotikaresistent) in einem speziellen Serum zu Pflanzen heranwachsen.
3. Wo wird die Grüne Gentechnik überall eingesetzt?
Die grüne Gentechnik findet weltweit häufig Gebrauch in Sojaprodukten, Rapsölen, im Reisanbau oder auch bei Maisprodukten. Bei Sojabohnen wurde eine Sojasorte entwickelt, die gegen Unkrautvernichtungsmittel widerstandfähig ist.
3.1 Rechtliche Situation und Kontrollmechanismen
Die rechtliche Situation in Bezug auf Gentechnik ist in Deutschland bzw. in der EU teilweise recht streng, denn es herrscht die Kennzeichnungspflicht, d.h. dass alle Produkte die eine gentechnische Veränderung jeglicher Art besitzen, gekennzeichnet werden müssen. Jedoch gibt es auch ein paar Einschränkungen der Kennzeichnungspflicht, es muss nur gekennzeichnet sein, wenn die Verunreinigung durch Gentechnik über 0,9 Prozent der Masse betrifft. Fleisch, Eier, Milchprodukte, Enzyme, Zusatzstoffe und Aromen müssen ebenfalls nicht gekennzeichnet werden. In der Schweiz sind die Regelungen noch strenger, dort wurde im Jahre 2005 entschieden, dass für weitere 5 Jahre in der Landwirtschaft auf gentechnisch veränderte(s) Saatgut, bzw. Tiere verzichtet wird.
Gentechnisch veränderte Pflanzen müssen sich erst ausgiebigen Tests und Sicherheitsprüfungen unterziehen, bevor sie auf dem Markt kommerziell vermarktet werden dürfen. Zuerst werden über die neuen Produkte Versuche im Labor durchgeführt, wenn diese unbedenklich sind, werden die gentechnisch veränderten Pflanzen auf „Herz und Nieren“ im Gewächshaus getestet und schließlich nach einem komplizierten Genehmigungsverfahren über das Robert- Koch-Institut in Deutschland werden dann die neuen Pflanzen zu Freilandversuchen zugelassen, erst wenn all diese Tests unbedenklich verlaufen sind, wird die kommerzielle Vermarktung erlaubt. Zusätzlich besitzen die Landesbehörden, dass Umweltbundesamt, die Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit, sowie die Bundesanstalt für Land-und Forstwirtschaft ein Mitspracherecht.
4. Vorteile der Grünen Gentechnik
Die Vorteile der grünen Gentechnik sind recht einfach einsehbar. Im zentralen Blickpunkt stehen:
1. Pflanzen können widerstandsfähig gegen Schädlinge, Viren und Krankheiten gemacht werden. Als Beispiel hierfür können Kartoffeln vor Kraut und Knollenfäule bereits durch den Einsatz der Gentechnologie geschützt werden. Die Maisernte wird jedes Jahr durch eine Schmetterlingsraupe, den Maiszünsler, gefährdet, auch hierfür wurde durch den Einsatz eines Bakteriums der so genannte BT-Mais gezüchtet, welcher die Larven vergiftet und somit die Maisernte nicht beschädigt wird. Gegen Virus erkrankte Zuckerrüben gab es nie ein Pflanzenschutzmittel, durch den Einsatz der Gentechnik kann die Zuckerrübe vor einem Virusbefall geschützt werden.
2. Widerstandsfähigkeit gegen Unkrautbekämpfungsmittel. Durch den Einsatz moderner Gentechnik können die Pflanzen widerstandsfähig gegen Unkrautbekämpfungsmittel gemacht werden.
3. In Pflanzen können durch den Einsatz von Gentechnik wertvolle Vitamine angereichert werden, um den Mangel in 3. Welt Ländern auszugleichen. So wie es zum Beispiel im Falle einer genveränderten Reissorte („Golden Rice“) geschehen ist, diese wurde mit wertvollem Vitamin A angereichert, was bei Mangelerscheinungen zu Blindheit führen kann. Es wurden auch Forschungen mit genverändertem Mais betrieben, welcher mehr Eiweiß enthalten soll.
4. Steigerung des Ertrages: Durch eine gezielte Steigerung des Ertrages könnte der weltweite Hunger besiegt werden.
5. Widerstandsfähigkeit gegen ungünstige Umweltbedingungen (Trockenheit). Dies hätte zur Folge, dass Dürreperioden die Ernte nicht mehr zerstören würde.
6. Einsatz von Pestiziden kann verringert werden, wodurch die Artenvielfalt erhalten bleibt.
7. Einsparungen im Anbau von Pflanzen (z.B. Dünger muss nicht mehr ausgefahren werden)
8. Einsatz von Gentechnik über die Artengrenzen hinweg kann zu neuen innovativen Produkten führen.
5. Nachteile der Grünen Gentechnik
1. Unumkehrbare Auswirkungen auf das Ökosystem, bei unbekannten Nebenwirkungen
2. Gefahr für Arten und Sortenvielfalt durch die Gentechnik. Die „stärkeren“ Pflanzen setzen sich durch
3. Einzelne Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut sehen nur ihren Kommerz. Abhängigkeit der Landwirte von den Saatgut Herstellern. Monopole und Macht, dabei bleiben die Risiken außer acht, siehe „Gammelfleischskandal“.
4. Einige Umweltschutzorganisationen sehen den Einsatz von Gentechnik in Lebensmitteln über die Arten Grenzen hinweg als Einmischung in Gottes Werk.
6. Quellen:
aid Special: Die Grüne Gentechnik, aid infodienst e.V., 2003, ISBN: 3-8308
http://de.wikipedia.org/wiki/Gentechnik
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Gentechnologie
http://www.ernestopauli.ch/Essen/Kochtips/Tomate%201.jpg
„Grüne Gentechnik im Überblick“, Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung
(MPIZ) Köln
Autoren: Dr. Wolfgang Schuchert und Dr. Susanne Benner
http://www.baudoc.ch/7/resourcefile/00/15/38/pic/referenzen/16_s.jpg
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Z%C3%BCchtungsziele_durch_Gentechnik.PNG




